Barock in Bra

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Pollenzo und die Universität
Der neugotische Ortsteil Pollenzo erhielt sein heutiges eindrucksvolles Aussehen von Karl Albert (der Architekt war Pelagio Palagi). Auf dessen Wunsch entstanden hier große landwirtschaftliche Unternehmen, die sich von Cinzano bis  Verduno ausdehnten. Heute ist das Hauptgebäude Sitz der Universität gastronomischer Wissenschaften. Die Reste aus antiker römischer Zeit (das antike Pollentia war 402 n.C. Schauplatz der Schlacht zwischen Stilichon und Alarich) lassen sich heute nur in der Anordnung der Häuser erahnen, die dem antiken Amphitheater folgen. Sehenswert die San Vittore Kirche (Architekt ist Ernesto Melano) mit dem wertvollen Holzchor aus der Abtei in Staffarda. Das Schloss im Privatbesitz ist Teil einer Reihe Savoyer Schlösser Regge Sabaude (UNESCO Kulturerbe). Leider ist der von dem berühmten deutschen Landschaftsarchitekten Kurten entworfene  Garten nicht in seinem besten Zustand.

Die Santa Chiara Kirche
Ein Meisterwerke von Bernardo Antonio Vittone, mit Juvarra, Guarini und Alfieri einer der bedeutendsten Architekten zur Zeit des Barock in Piemont, ist diese 1742 im Rokokostil erbaute Kirche.  Bewundernswert die durchbrochene doppelte Kuppel, die geheimnisvolle Lichtspiele entstehen lässt, die durch die raffinierten weichen Formen im Innern noch verstärkt werden. Die unverputzte Backsteinfassade ist optisch von der verputzten Kuppel getrennt. Es entstehen zwei getrennte Ebenen, die den Bewegungen der runden Formen eine ungeahnte Leichtigkeit verleihen.

Sant’Andrea Kirche
Der ursprüngliche Entwurf stammt von Gian Lorenzo Bernini, der den Hofachitekten Guarino Guarini mit der Ausführung beauftragte, der den Entwurf abändert und dem Standort anpasste (1672). Die barocke Fassade mit korinthischen Säulen ist von Statuen gekrönt. Meisterlich der Altar von Barelli und die Gemälde “Il Martirio di San Sebastiano” (ein Werk von Beaumont aus dem Jahr 1761) und “La battaglia di Lepanto” (ein Werk von Jean Cleret aus dem Jahr 1660).

Palazzo Mathis
Ein  beachtlicher Gebäudekomplex aus dem Mittelalter (ursprünglich war er die Residenz der mächtigen Solaro). Im Verlauf der Jahrhunderte wurde er mehrmals umgebaut und konnte heute neuen Verwendungszwecken zugeführt werden wie Ausstellungen und Kulturevents. Auch das Fremdenverkehrsamt befindet sich hier.

Palazzo Traversa
Palazzo Traversa ist das einzige gotische Gebäude in Bra. Ursprünglich war es im Besitz der Familie Malabayla aus Asti. In ihm befindet sich das Museum für Archäologie mit Funden, die hauptsächlich aus dem Gebiet von Pollenzo stammen, und für Kunstgeschichte ).

La Zizzola
Ein eigenartiges achteckiges Gebäude aus der Zeit um die Mitte des 19. Jht., das  die Stadt vom Monteguglielmo Hügel aus dominiert (die höchste Erhebung, auf dem einstmals das Schloss thronte). 1962 wurde es der Stadt zum Geschenk gemacht und anschließend renoviert und dient jetzt als stadtgeschichtliches Museum, wo Veranstaltungen und im Sommer Konzerte stattfinden.

Palazzo Comunale (Rathaus)
Ein weiterer mittelalterlicher Palazzo, der im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder umgebaut wurde, bis er sein heutiges barockes Ausstehen erhielt (Architekt ist Vittone). Hinsichtlich Formen, Stil und der Technik der versetzten Backsteine erinnert er an ein noch berühmteres Gebäude, an Palazzo Carignano in Turin.

Die Innenhöfe in Bra
Eine der faszinierenden Sehenswürdigkeiten in Bra sind sicher die Innenhöfe. Ein Blick in die Eingänge und dahinter versteckten Innenhöfe öffnet ganz neue Perspektiven. Im Gegensatz zur geschäftigen Stadt herrscht hier Ruhe und Geborgenheit. Im Rahmen einer interessanten Initiative werden viele Innenhöfe im September mit Weinverkostungen, Konzerten und Ausstellungen für das breite Publikum geöffnet.
 
Slow Food 
Slow Food ist weltweit die bekannteste Marke für eine gehobene Esskultur. Der Salone del Gusto und später auch Terra Madre haben den Patron Carlin Petrini international als Wiederentdecker traditioneller Essgewohnheiten, des wahrend Geschmacks und der umweltverträglichen Produktion von Lebensmitteln bekannt gemacht. Eine Plattform zur Umsetzung und Förderung  dieser Ziele ist in Pollenzo die einzige Universität der Welt, die den gastronomischen Wissenschaften gewidmet ist und wo eine neue Generation Vertreter der Ideen von Petrini ausgebildet wird. Der zurückgelegte Weg, von dem Augenblick an, als sich eine Gruppe Persönlichkeiten bei einer bagna caöda in einer Gaststätte über die Entwicklung der Essgewohnheiten Gedanken machte, ist weit. Aber der Sitz der Bewegung ist immer noch in Bra, in der gleichen Straße mit dem eigenartig weitsichtigen Namen: via della Mendicità Istruita… wer weiß wie stolz Cottolengo wäre, der wie Petrini aus Bra stammte!

Text ©Pietro Giovannini